Alpi4000 -Quer durch die Alpen und die Dolomiten

Beim Alpi4000 handelt es sich um ein offizielles Brevet (Brevet des Randonneurs Mondiaux – BRM) wie auch Paris-Brest-Paris. Es gilt, die festgelegte Stecke in Eigenregie zu befahren und dabei festgelegte Kontrollpunkte anzufahren. Beim Alpi4000 kann man sich an den meisten Kontrollstellen auch versorgen, duschen und schlafen.

Die Strecke führte 2026 von Bormio aus über gut 1.300 Kilometer mit ca. 22.000 Höhenmetern in zwei Schleifen durch die Alpen und die Dolomiten.

Tag 1

Am Start um 7:00 Uhr versammelten sich die ca. 350 Teilnehmer/Innen in Bormio und gingen in 25er-Gruppen auf die Strecke. Schon die ersten Kilometer gaben einen guten Vorgeschmack auf das Kommende, denn es ging natürlich erst einmal bergauf. Bei heißem aber schönem Wetter ging es zum Passo Bernina, wo wir uns auch das erste Mal stärken konnten. Die zweite Etappe des Tages führte uns durch die Schweiz und über St. Moritz zum Comer See. Direkt in der Abfahrt vom Bernina musste ich dann die erste Zwangspause einlegen und den Schlauch wechseln – fängt ja gut an.

Am Comer See merkten wir dann die Hitzewelle recht deutlich. Der Aufstieg in Bellano zur nächsten Kontrolle war im Nachhinein betrachtet somit die größte Herausforderung. Niedrig gelegener, traumhafter Ort aber die Straße komplett in der Sonne, umgeben von Steinbauten und Mauern. Dazu kam, dass ich mich noch nicht so sehr an die Hitze gewöhnt hatte. Zur Belohnung gab es nicht nur gute Verpflegung, sondern auch eine nicht unwillkommene nasse Abkühlung durch die aufziehenden Regenschauer und Gewitter. Ich bin selten so gerne nass gefahren.

Nun rollte es eher flach in einen Bogen Richtung Mailand zur dritten Kontrolle des Tages in Rescaldina, die auch die erste Möglichkeit zum Schlafen bot. Obwohl es noch relativ früh am Tag war, beschloss ich, nicht noch durch Mailand zu fahren, sondern lieber früh am nächsten Morgen zu starten, in der Hoffnung, dass es ein etwas weniger heiß wird.

Tag 2

Da es ja recht früh hell wird, beschloss ich zwischen vier und fünf am Morgen zu starten. Dieser Rhythmus erwies sich als sehr brauchbar und ich habe das an allen Tagen genauso gehalten. In die Morgendämmerung fahren macht mir mehr Spaß als am Abend in die Dunkelheit.

Außerdem erwartete uns ein zwar sehr schöner Fahrradweg nach Mailand hinein, der war aber zum größten Teil aus Schotter. Das fahre ich dann doch lieber ausgeruht, auch wenn ich nicht weit kam, denn mein zweiter Plattfuß zwang mich zu einer weiteren Pause in der Morgendämmerung, die vor allem die Mücken im Bereich der Straßenlaterne als Festmahl nutzen. Aber ohne Licht ging es ja auch nicht. Langsam machte ich mir Sorgen, denn nun waren schon meine Ersatzschläuche weg und sonntags hat fast alles zu.

Belohnt wurde ich aber mit Mailand am frühen Sonntagmorgen, ohne Touristen und Verkehr und der Bäcker hatte auch schon auf.

Ab diesem Höhepunkt verlief die Stecke flach bis zur Kontrolle in Gorgonzola, wo wie am vorigen Abend Pasta auf dem Menü stand. Wie an allen Kontrollen portionsweise frisch zubereiten. Ein echter Vorteil, wenn man durch Italien fährt.

Nach Gorgonzola wurde es wieder ernst, wir mussten zurück in die Berge. Der Presolana-Pass war für mich ein besonderes Highlight, denn dort gab es tatsächlich einen Fahrradverleih mit Laden, der geöffnet hatte und mir Ersatzschläuche verkaufen konnte. Zur Sicherheit habe ich direkt auch noch einen Mantel mit erworben. Nun wieder etwas beruhigt ging es zur Kontrolle nach Schilpario, die wir netterweise aus dem Tal heraus über einen knackigen Anstieg anfahren mussten.

Ich hatte zwar damit geliebäugelt, am Tag 2 wieder zurück bis Bormio zur Halbzeitpause zu fahren, habe auf Grund der Temperaturen davon abgesehen.

Tag 3

Wieder vor der Morgendämmerung verlief die Strecke zurück nach Bormio zum Halbzeitstopp. Dabei galt es den Passo di Trivigno und den Mortirolo zu bezwingen. In Bormio konnte ich dann Wäsche tauschen, natürlich Pasta essen und dann auch schon direkt weiter auf die zweite Schleife in das Trentino und die Dolomiten. Im Weg war nur der Gavia, den es bei eher Gluthitze zu bezwingen galt. Belohnt wurden wir mit wunderschönen aber eher vertikalen Landschaften, schönen Fahrradwegen und Warnungen vor Bären. >Endlich mal ein Tag ohne Panne und mit der Übernachtung in Spormaggiore lag ich ganz gut im Plan.

Tag 4

Durch das wunderschöne Trentino mit seinen vielen Seen, dann durch Trento zur nächsten Kontrolle bis nach Feltre. Schöne flache Etappen an den vielen Seen entlang,wechselten sich der Weg mit knackigen Anstiegen und schönen Abfahrten ab, halt alles eher vertikal. Auf der zweiten Etappe des Tages nach Pieve di Cadore fuhren wir in die Dolomiten.

Tag 5 extended

Es fehlten nun noch gut 320 km, verteilt auf drei Etappen aber mit heftigen Pässen, mit dem Stelvio als Abschluss. Hinzu kam, dass es an der letzten Kontrolle keine Übernachtungsmöglichkeit gab. Ich habe mir erst einmal keinen Kopf gemacht, denn es lagen ja Bozen und Meran auf der Strecke, wo ich im Notfall sicher ein Zimmer finden könnte.

Also wie gewohnt gegen viertel nach vier aufgebrochen. Und es ging natürlich direkt bergauf zum Mirusinasee, der eine lange steile Rampe bereit hält. Nach einer langen Abfahrt mit einem kurzen Zwischenanstieg, ging es dann zum Passo Falzarego, ebenfalls recht steil mit nur wenig Erholungsmöglichkeiten. Die folgende Kontrolle lag dann wieder einmal nicht am Ende der langen Abfahrt, sondern in Rocca Pietore, was uns noch einmal 200 Höhenmeter klettern ließ, bevor wir uns mit Pasta belohnen konnten. Bevor es dann durch das Tal über Bozen und Meran nach Lace, der letzten Kontrolle vor dem Ziel ging, mussten wir noch den wieder steilen und langen Anstieg zum Fedaia-Pass bezwingen. Nach dem Pass auf der Abfahrt folgte dann der dritte Plattfuß und auch der Mantel war beschädigt. Gut, dass ich Nachkaufen konnte.

Die super lange Abfahrt ins Tal war zwar eine schöne Belohnung aber die dann folgende Flachetappe nach Lace erwies sich als tückischer als gedacht. 60 Kilometer flach fahren ist eine besondere Herausforderung, wenn das Sitzen schon etwas schwerer fällt. Hinzu kam, dass wir zwar einen super schönen Fahrradweg fahren konnten aber dadurch Ortsdurchfahrten mit Trinkbrunnen und Bars fehlten und die Versorgungslage langsam eng wurde. Ach ja, und heiß war es natürlich im Tal auch.

Von Bozen haben wir daher nicht viel gesehen aber zum Glück ging es quer durch Meran, direkt am McDonalds vorbei und natürlich auch Bars für einen Espresso und eine Cola. Trotzdem zog es sich hin und ich erreichte die letzte Kontrolle gegen 22:00 Uhr. Nachdem ich mich gestärkt hatte – natürlich wieder Pasta al Pomodoro – war nun die Frage, was ich machen sollte. Ich fühlte mich relativ gut, bis Prad am Stilfser Joch waren es noch 30 km und ab da kannte ich die Strecke recht gut.

Also bin ich gegen 23:00 Uhr weitergefahren. Der Weg nach Prad war dann allerdings wieder hauptsächlich Schotter. Nicht mein Ding und dann noch im Dunkeln. Also ganz gemütlich, so dass ich gegen ein Uhr nachts in Prad ankam. Die Aussicht nun den Stelvio nachts zu fahren hatte etwas Faszinierendes und ich machte mich auf den Weg. Es brauchte allerdings einige Pausen und eine Powernap-Pause. Außer vier bis fünf Fahrradfahrern war der gesamte Pass leer und wir fuhren in die Morgendämmerung hinein – perfektes Timing für die letzte Abfahrt nach Bormio. Gegen 5:00 Uhr war der Stelvio bezwungen und auch der Autoverkehr setzte langsam wieder ein.

Die Abfahrt nach Bormio fuhr ich dann ganz vorsichtig und langsam. So kam ich dann um 6:10 am Donnerstagmorgen nach 118:22 Stunden im Ziel an. Zum Frühstück gab es natürlich wieder Pasta, diesmal aber mit Rehragout.